Exposé

Der „West-Östliche Diwan” wird zweihundert Jahre alt.

In einer Zeit, in der die globalisierte Welt des 21. Jahrhundert höchstens so etwas wie science fiction sein konnte, verfasste Goethe folgende hellsichtige Zeilen: „Wer sich selbst und andre kennt/ Wird auch hier erkennen/ Orient und Okzident/ Sind nicht mehr zu trennen.”

Seine Gedichtsammlung „Der West-Östliche Diwan” – sie erschien vor genau 200 Jahren im August 1819 – war inspiriert von Hafis, dem bis heute bedeutendsten persischen Dichter. Allen sprachlichen, kulturellen und religiösen Unterschieden zum Trotz, getrennt durch Raum und Zeit, fühlte sich Goethe Hafis so sehr verbunden, dass er ihn seinen „Zwilling” nannte. 

„Diwan” bedeutet im Persischen Versammlung, Begegnung. 
Zum Diwan auf dem Domplatz geht, wer die Welt in ihrer Fülle erleben, wer im Fremden das Eigene finden und das Eigene im Fremden endecken will. Der Diwan spielt mit der vertrauten und der fremden Heimat, mit dem Eigenen und dem Anderen.

Er ist so etwas wie eine poetische Unterwanderung der stabilen, fixierten Ordnung, provozierend nur für diejenigen, deren Weltbild auf Ab- und Ausgrenzung basiert. Verschiedenheit zu akzeptieren, bedeutet, das Fremde nicht länger als Gefährdung der eigenen Identität zu verstehen. Denn je mehr man sich abgrenzt, desto mehr nimmt man sich die innere Freiheit.

„Heimat hat offene Arme, sie grenzt nicht aus, sie schließt ein. Heimat entwickelt sich weiter.”

Ina Scharrenbach, NRW-Heimatministerin

Sa 31.08.2019, 20 - 24 Uhr

Am Vorabend, bevor der Markt beginnt, bieten die auf dem Domplatz ausgebreiteten Teppiche den perfekten Ort für erste Treffen  bei chilliger arabisch-persischer Weltmusik, Harfenklängen und Sternenbeobachtung. Ein westfälischer Spökenkieker liest aus den Händen. Wer mag, kann sie sich mit Henna tätowieren lassen. Der Dom wird illuminiert mit Zitaten von Goethe und Hafis.

So 01.09.2019, 16 - 20 Uhr

Goethe und Hafis bilden als Großskulpturen den optischen Mittelpunkt auf dem Domplatz. Unter ihren Füßen breitet sich das kulturell-kulinarische Leben aus. Syrischer Folk trifft auf den Kleinen Abendländischen Chor, eine Qānūn-Musikerin auf die lokalen „T.Öttchen und P.Umpernickel”. Ein arabischer Kiepenkerl schenkt großzügig Klaren aus und ruht sich aus bei Drostes „Klänge aus dem Orient”. Hafis Gedichte ertönen und der Urfaust tritt auf – in Platt und mit arabischem Akzent. Traditionelle Musik aus dem Libanon mischt sich mit iranischen und deutschen Erzähler*innen. Das Leineweberhaus Ochtrup tanzt persisch und durchs Teleskop eines Astrosophen erkennt man den Himmel okzidental und oriental. Nebenbei vereinen sich Falafel mit Grünkohl, Manakish mit Käsekuchen und marokkanischer Tee mit westfälischem Bier. Und ein west-östliches Herrengedeck feiert seine Wiedergeburt.

 

Idee und Umsetzung: Thomas Alexander Nufer
Schirmherrschaft: Oberbürgermeister Markus Lewe
Projektträger: Eine-Welt-Forum Münster e.V.